Print, Generation Y, Tageszeitung…System-Absturz!

Ich stimme mit vielem in Jakblogs Beitrag “Zeitungskrise? Zeitungsende!” überein. Ich meine auch, dass das Modell “Tagesrückblick – nur 12 Stunden zu spät” am Ende ist.

Das schrieben viele aber schon vor dem New-Economy-Crash vor 2000 – und an dieser Tatsache hat sich auch nichts geändert. Gewohnheiten hängen uns aber wie treue Tierchen am Bein, die wir alten Herrschaften (ich bin Jahrgang 1976) eben nicht so schnell abschütteln. Will sagen: Ich fahre jeden Morgen mit dem Fahrstuhl vom 7. Stock ganz runter zum Briefkasten, angele mir das Papierungetüm (das, wenn es besonders dick geraten ist, gerne bereits vom scharfkantigen Deckel zerfleddert wurde) – und inzwischen frage ich mich, wenn ich morgens – lange vor diesem mühsamen Gang – bereits bei Spon etc. die aktuellsten Nachrichten gelesen habe: Warum mach ich das denn noch? Es ist mehr das Ritual als die wertvolle, nützliche Information.

Aber je jünger, desto mehr verschieben sich die Gewichte eben hin zu nutzenorientierten Betrachtungen bezüglich Zeitungspapier und dem Zeitpunkt, zu dem es bedruckt wird – je kürzer die Zeit der Betreffenden war, die sie ausschließlich mit gedruckten Zeitungen verbrachten in ihrem Leben… Ich sehe die vielbeschworene “Generation Y”-Theorie immer wieder bestätigt: Die nach 1980 Geborenen haben keinen Bezug mehr zur Wooden Press. Und das wird ihr Verschwinden bedeuten.

Aber die beiden Märkte werden noch eine ziemlich lange Weile nebeneinander existieren, mit beschleunigter Abwärtsbewegung für Print, weil die Werbetreibenden auch jünger werden, Kosten und Nutzen von Print-Anzeigenwerbung knallhart hinterfragen usw. usf. Und je nach Renditeerwartung verschiedener Verlagshäuser wird es dann für viele Zeitungen nicht mehr langen, wenn alle Spar- und Entlassungsrunden in der Redaktion – komisch, komisch – nur den Abwärtstrend weiter beschleunigt haben.

Ich freue mich auf die Zeit, in der mehr nutzwertige Informationen und Services über Leser/Nutzer entscheiden als die Macht im Vertriebskanal und der Besitz von Druckmaschinen – und übrigens auch Wissen über Journalismus. Aber die völlige Demokratisierung und “Schwarm”-isierung der deutschen Presselandschaft im Sinne des Bloggertums wird auch nicht kommen. Die Verlage könnten die besten Blogger unter Vertrag nehmen – wenn die denn wollen und nicht ganz anderen Berufen nachgehen… Aber was mich unendlich freut: Die einstmals bildungsbürgerlichen Gatekeeper der klassischen Abonnementszeitungen verlieren ihre Wächterrolle.

Was denn nun des Lesens würdig ist, haben ja tatsächlich jahrzehntelang die Herren Chefredakteure und Ressortleiter wie weise Väter für uns bestimmt. Und dabei kam dann raus, was eben so in den Kanon des von der jeweiligen Tageszeitung so repräsentierten bildungsbürgerlichen Weltbilds passt (USA ja, Afrika nein, alles was sich mit ökonomischen Zweckmäßigkeiten begründen lässt, eher ja…usw). Da kann ich nur sagen: Schade. Bye, bye, die vierte Gewalt im Staate verteilt sich künftig auf ein paar Schultern mehr. Das Prinzip Wikileaks wäre hier auch mal wieder zu würdigen, gerade wenn ich an den von der BBC vertuschten Kindermissbrauchs-Skandal denke….

Long story short: Ich würde bedauern, wenn für qualitätsvolle Texte und damit verbundene Services keine anständigen Preise bezahlt werden.

Aber ich sehe es genauso wie Jakblog bzw. seine Kommentatoren: Das Geschäftsmodell der Tageszeitung – qualitätsvoller Text plus sauteure ganzseitige Anzeige in 4c daneben ist – eben auch schon zu 50 Prozent Querfinanzierung, wenn 50 Prozent des Arbeitsplatzes der Edelfeder, die den Text daneben geschrieben hat, eben über Anzeigen und nicht vom Leser durch Abonnement oder Einzelverkauf bezahlt werden. Jetzt ändert sich das Geschäftsmodell, die Querfinanzierung wird anders erfolgen müssen. Und da wird sich was finden, ich bin mir sicher.

About Frank Wewoda

Journalist
This entry was posted in Journalismus, Zukunftsmusik and tagged , , . Bookmark the permalink.