ALTERNATIVE FAKTEN KANNSTE SCHON MACHEN . . .

22.04.2019

Heute war ich beim March for Science in Frankfurt. “Die Suche nach Wahrheit ist nicht immer kompatibel mit der Suche nach gesellschaftlicher Mehrheit”, sagte Prof. Dr. Joybrato Mukherje, Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen und Vizepräsident des DAAD, bei der Kundgebung vor Beginn der Demonstration.
Gegen Rationalität und wissenschaftliche Methoden der Erkenntnisgewinnung dürften eigentlich keine ernsthaften Einwände bestehen, sollte man meinen. Aber nun hat 2016 erst die Leave-Fraktion, angeführt vom heutigen Premierminister Boris Johnson, Großbritannien mit ziemlich dreisten Lügen in den Brexit geführt. Donald Trump, Ende 2016 dann zum Präsidenten der USA gewählt, hatte wohl noch nie gesteigertes Interesse an einer faktenorientierten Auseinandersetzung mit der Welt.

March for Science Frankfurt 1

Da kann es nicht schaden, die Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft zu unterstützen, mehr aus Solidarität mit Klimaforschern und den Umweltschutzbehörden der USA oder Wissenschaftlern in der Türkei. In über 400 Städten weltweit sollen Menschen auf die Straße gegeangen sein, um für die Freiheit von Wissenschaft und Forschung  zu demonstrieren sowie deren Bedeutung als Grundlage  einer offenen und demokratischen Gesellschaft. In Deutschland marschierten Wissenschaftler und ihre Unterstützer in über 20 Städten, unter anderem auch in Frankfurt am Main.

NIEDLICH, NIEDLICH, DIE SPANIER: ÜBER “MOMENTITOS” UND “€URITOS”

19.08.2017

Sonntagmorgen in La Latina, Flohmarkt auf den Straßen, die Sonne brennt gnadenlos auf Billig-T-Shirts und Handtaschen.

In einer Bar am Straßenrand nehme ich meinen ersten Cortado, einen kleinen Milchkaffee, des Tages.

Eine Frau mit Brille und Strohhut kommt an den aus einer Vitrine in U-Form bestehenden Tapas-Tresen und bestellt eine
“cañita”, trinkt sie in einem Zug aus und geht wieder, während vier Männer ringsumher in ihren café con leche starren.
Da war sie wieder – die allgegenwärtige Verniedlichung. Eine caña ist ja schon ein sehr kleines Bier (ca. 0,2l), cañita demnach ein “kleines Bierchen”, was mir stark nach Verniedlichung von Alkoholismus klingt zu dieser Tageszeit.
Die Spanier verniedlichen aber abgesehen von solchen absichtsvollen Relativierungen gerne alle möglichen und unmöglichen Hauptwörter auf eben diese Weise auch ganz ohne Grund, wie mir scheint.
So wird aus einem “momento”, den sich ein Straßenverkäufer erbittet, ein “momentito”, aus der “copa” – einem großen (Wein-)Glas – im Restaurant im Wortlaut der Bedienung eine “copita”. Und in einer Bäckerei in Chueca flötet mir die Verkäuferin, als es ans Bezahlen geht, 6 “euritos” mit einer Betonung und Frequenz auf dem “i” ins Ohr, die eigentlich die Bäckerei-Vitrine zerspringen lassen müsste.

Diese “Rund”fahrt habe ich an den dreiwöchigen Sprachkurs in Alicante angehängt, um gleich im Alltag zu erproben, was die Grammatik-Tortur so gebracht hat. So habe ich ein wenig Andalusien an der Küste abgeklappert. Nun bin ich in der Hauptstadt angekommen, in die der Schnellzug ab Alicante in gut zwei Stunden brettert. Eine kleine Pension in La Latina ist meine erste Station.